Archive for November 2006

Verlängerung meines Aufenthaltes bis Mitte Februar

November 19, 2006

Für alle, die es noch nicht gehört haben, ich habe meinen Aufenthalt bis Mitte Februar verlängert. Grund ist, dass es hier so viel zu tun gibt und ich einige Projekte ins Rollen gebracht habe, die etwas mehr Zeit brauchen als gedacht. Keine Sorge, eine weitere Verlängerung wird es nicht geben. Nächste Woche treffe ich mich mit Martijn in Peking und gemeinsam werden wir dann mein endgültiges Rückreisedatum planen.

Organizational Development – Merge zweier Offices

November 19, 2006

 

In den letzten drei Wochen war ich kaum in den Dörfern unterwegs, sondern fokussierte mich stark auf meinen eigentlichen Job, nämlich zu analysieren, warum im „Umweltbüro“ soviele Diskrepanzen und Disharmonien auftreten, Ziele nicht erreciht werden und inwiefern Arbeitsprozesse verbessert werden können. Ein Ergebnis meiner Analyse ist die Zusammenlegung von zwei Büros, die sich um Umweltbelange kümmern. Redundante Arbeiten werden so zukünftig vermieden, Transparenz wird geschaffen und notwendige Kommunikationswege verkürzt. In einem mehrtägigen workshop haben wir Vision, Mission und „Geschäftsstrategie“ definiert, eine entsprechende Organisation aufgestellt und pro Position roles & responsibilities definiert. Bisher gab es noch nicht ein angelegtes Jobprofil in der gesamtem Regierung…
Da zu den bisherigen Positionen 8 weitere hinzukommen und insgesamt eine Organisation von 23 Mitarbeitern kreiert wird, musste ich vor der Legislativen sowie vor dem Finazbüro verteidigen, warum diese Positionen unbedingt notwendig sind. War sehr interessant und hat sehr viel Spaß gemacht, da ich, bezogen auf die Strategie und den Arbeitsplan der nächsten Jahre von der Notwendigkeit zusätzlicher Positionen völlig überzeigt bin. Hier in der provinziellen Regierung ist eines der größten Probleme, dass über 50% der Angestellten Zeitarbeiter sind, die über die Jahre spontan eingestellt wurden, weil es plötzlich sehr viel zu tun gab, aber hauptsächlich, weil sie die Schwester, der Cousin, die Tante oder die Freundin des Bruders sind…Dies führte dazu, dass hier eindeutig zu viele Mitarbeiter rumsitzen, die wirklich nichts zu tun haben aber auch die wichtigen Jobs nicht ausführen können, da sie keine entsprechenden skills haben und als Zeitabreiter keine Weiterbildung wahrnehmen dürfen. Kurzum, die Büros sind voll mit Menschen aber es mangelt an gutem Personal. Bezogen auf die Zusammenlegung der beiden Büros wird sich das in Zukunft ändern. Das Budget für die neuen Positionen ist bereits freigegeben und einige Zeitarbeiter in andere Abteilungen transferiert. Transfers sind natürlich keine dauerhafte Lösung aber meine Mission in einem Entwicklungsland ist es sicherlich nicht, Personal zu kürzen. Ich wies den Governor darauf hin, dass die Regierung weitaus effektiver arbeiten würde, wenn Zeitarbeiter eingespart und mit einer geringeren Anzahl an Festangestellten ausgetauscht werden würden. Wir dikutierten über ´re/-ouplacementmöglichkeiten`, da ab nächstes Jahr viele Investoren in der Provinz Fuss fassen wollen und somit Arbeitsplätze zu Verfügung stehen. Dieses Thema werde ich jedoch aus Zeitgründen nicht mehr betreuen können. Schade. Es gibt hier so viel zu tun und es macht so viel Spaß zu unterstützen und Ordnung in die Strukturen der Provinz zu bringen.

Bezogen auf die Zusammenlegung der Büros finden ab nächste Woche Gespräche mit den bisherigen Mitarbeitern statt, inwiefern sie zukünftig welche Aufgaben übernehmen werden. Auch das ist neu hier. Kaum zu glauben, aber bisher wurde es nicht gehandhabt, daß eine Person für ein bestimmtes Thema, wie Waste Management oder Biodiversity, zuständig war. Jeder hat hier irgendwie auf Zuruf gehandelt. Expertenwissen konnte somit überhaupt nicht aufgebaut werden und für Externe war es schwer, den richtigen Kontakt in der Regierung zu finden. Wir fangen ebenfalls an, die freien Positionen extern auszuschreiben und werden einen legalen Einstellungsprozess durchlaufen. Ziel ist es, dass die neue Organisation ab Januar funktioniert – mit Mitarbeitern, die aufgrund ihrer Qualifikationen auf entsprechenden Posten sitzen und nicht aufgrund ihres Verwandschaftsgrades. Hört sich komisch an, ist hier jedoch ein extremer Durchbruch.

Restrukturierung ist auch für die HR-Abteilung neu. Eine ganz schöne Herausforderung, neu zu organisieren sowie gleichzeitgi zu lehren.

Neue Leidenschaft – Tauchen

November 18, 2006

 

Da man auch mal aus der Welt hier ausbrechen und etwas Angenehmes und Schönes sehen muss, führte mich Ference, der Volunteer aus Ungarn, in die Welt des Tauchens ein. Einen Tauchschein braucht man hier nicht; jediglich Kontakte, etwas Geld und jemanden, der erklärt, was zu beachten ist. Bisher war ich drei Mal unter Wasser. Was ein Genuß. Man kann ja nicht immer nur an das Arbeiten denken und ein kleines Pläuschen mit Nemo ist wirklich entspannend.

   

IDINAUS – Sportwettkampf

November 18, 2006

 
Dave und Phillip (Volunteers aus UK und Uganda) kriegen erstmal ordentlich Sonnencreme aufgetragen.

Mitte Oktober fand ein provinzweites Sportfest statt, zu welchem u.a. das Militär, die Polizei, alle Lehrer und natürlich auch die Kollegen der Regierung antraten. Der Event dauerte eine gesamte Woche und es wurden Disziplinen von Dahme spielen, über Badminton und Leichtathletik bis hin zu German Soccer, Cycling und American Football ausgeübt. Da mein Bewegungsdrang hier ziemlich gut bekannt ist, wurde ich gebeten, das long distance Leichtathletik Team zu trainieren und natürlich auf einen sicheren Gewinn vorzubereiten. Ich hatte genau 6 Wochen Zeit, aus absolut unkonditionierten, trägen Gemütern trainierte und zum Sieg motivierte Läufer zu zaubern. Zudem war ich dann auch noch das Teammaskottchen, welches ausgestattet mit einem netten Kostümchen den Einmarsch des Teams am ersten Tag dekorierte. Wozu ist man Volunteer… Nicht nur in der Vorbereitung, auch während des Wettkampfes hatten wir alle riesigen Spaß und haben tatsächlich alle Teams in allen long distance Disziplinen geschlagen. Wie ich das geschafft habe??? Zu jeder Trainingsstunde gab es natürlich ein kleines Bestechungsmitbringsel, was trotz der vielen Runden, die wir bei 30 Grad gelaufen sind, immer zum Wiederkommen animierte. Alle Teilnehmer wurden 6 Wochen vor Beginn des Wettkampfes von der Arbeit freigestellt, um ordentlich trainieren zu können. Das können sich Militär und Polizei nicht leisten. Das wir beide Parteien dann aber auch noch im Schiessen geschalgen haben, war schon sehr peinlich.

Der IDINAUS Wettkampf wird von der Provinz sehr ernst genommen. Es gab ein riesiges Eröffnungsprogramm, die Laufbahn im Stadion wurde völlig erneuert, neue Sitzbänke wurden angebracht, Fernsehen und Radio waren vor Ort und jeden Morgen wurde zu Beginn vom Spielmannszug die Hymne gespielt. Wieder eine unvergessliche Erfahrung.


Einmarsch der Teams


Eröffnungsprogramm


Die Läufer


Beim Schiessen. Hier besitzt übrigens fast jeder mindestens eine Waffe. Ganz schön Power. Aber macht irgendwie Spaß.


 

Fortschritte bei der Beseitigung der illegalen Müllkippe

November 12, 2006

Vor ein paar Wochen berichtete ich von einer illegalen Müllkippe, die direkt an einem Fluss liegt und davon, dass ich es mir zur Mission gemacht habe, diese Müllkippe zu beseitigen. Meine Versuche, über das Umwelt- und das Gesundheitsministerium zu gehen scheiterten. Der Prozess zur Beseitigung ist wohl schon seit Monaten im Gange, dauert mir aber deutlich zu lang. Da der Governor uns zur offiziellen Bibliothekseröffnung meiner Patenschule begleitete und wir auf dem Weg dorthin, an der Müllkippe vorbeikamen, bat ich ihn, anzuhalten. Er war sichtlich überrascht, da er tatsächlich nicht wusste, dass der Müll im Fluss landet. Ich nutzte die Anwesenheit der Medien und fragte ihn vor laufender Kamera, was er dagegen tun wolle. Er rief sofort die Bürgermeisterin an und stellte sie zu Rede. Und kaum zu glauben, eine Woche später wurde unser Team von dem Umweltbüro der Region eingeladen, eine neu ausgewählte Fläche zu begutachten. Dank unserer Experten konnte bestätigt werden, dass die Fläche geeignet ist. Demnächst wird der Müll der illegalen Kippe dorthin gebracht. Ich bat um Benachrichtigung, so dass ich Photos machen kann. Viel besser ist zudem, dass die neue Müllkippe eine fachmässig korrekte Verbrennungsanlage haben wird, sie weit genug von der Zivilisation entfernt und umzäunt ist. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Der Governor lässt sich von jemandem aus der Region erklären, was sich am Fuße der Müllkippe befindet und was mögliche Konsequenzen für Umwelt und Gesundheit sind.


Ich frage den Governor, wie wir schnellstens diese Müllkippe beseitigen können. Seht ihr die Jungs genz vorne rechts und im Hintergrund? Reisen mit dem Chef der Provinz bedeutet immer umzingelt von schwer bewaffnetet Bodyguards zu sein…

Offizielle Bibliothekseröffnung in der San Juan High School

November 12, 2006


Im September war ich in der San Juan High School, um dort ein paar Bücher für eine Bibliothek abzuliefern, die ich, unterstützt von der Regierung, aus Amerika besorgt hatte. Am 4.10. fand eine öffizielle Buchübergabe und die Einweihung der neuen Bibliothek statt. Für mich ein ganz besonderer Tag, da Medien und der Governor ebenfalls da waren. Der Governor war seit über zwei Jahren nicht mehr in diesem Gebiet. Als ich ihn bat, mich zu begleiten, weil ich ihm einerseits die illegale Müllkippe zeigen wollte sowie ihm auf der anderen Seite extrem auf die Nerven fiel, dass er doch mal wieder Präsenz in diesem Gebiet zeigen könne, sagte er zu. Ist immer ein etwas anderes Unterfangen, wenn er dabei ist, da 4 Bodyguards, 2 Jeeps voll persönlichem Schutzteam und ein LKW voll mit Militär dann doch etwas einschüchternd wirken…
In San Juan wurden wir groß willkommen geheißen. Kinder brachten ihre Freunde, Eltern, Großeltern, Geschwister,… und es fand ein richtiges Übergabeprogramm statt. Ich war tief gerührt. In nur zwei Wochen, haben die Dorfbewohner Regale und Tische gebaut, diese gemalert und eine richtig schöne Bibliothek erstellt. Ich wurde überhäuft mit Geschenken und Danksagungen. Als wir dann auch noch unsere zwei Computer und einen Drucker übergaben, waren die Kinder ganz aus dem Häuschen. Ihr größter Wunsch ist es, den Umgang mit dem Computer zu lernen. Ich erzählte ihnen, dass ich zurückkommen und zusammen mit den anderen Volunteers Einführungsstunden in die Nutzung eines PCs geben werde. Das wird hoffentlich im Dezember geschehen. 
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für ein schönes Gefühl es ist, Lehrer, Kinder und deren Eltern glücklich zu machen. Vor allem, wenn man weiß, dass diese Menschen sich so etwas nie leisten könnten.
Vielen Dank an Euch alle, die gespendet haben und es so mir ermöglichen, hier zu helfen. 


Zusammen mit der Bürgermeisterin schneidet der Governor das Band durch.

 
Beeindruckt von der Arbeit schaue ich mir die neue Bibliothek an und bin hellauf begeistert.

 
Hier muss man immer und überall Reden schwingen. Computerübergabe.


Auch die Kleinen von der Elementary School werden die Computer nutzen können.